Ich bin Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla. Als Prinz besitze ich absolute Macht, bin sehr wohlhabend und kann alles tun, um meine Wünsche zu erfüllen.
Wirklich alles?
Nun ja, die Regierungsaufgaben sind mir langweilig und lästig. Ich muss die Prinzessin von Massa heiraten. Aber lieben tue ich sie nicht. Weil es sich für mich aus politischen Gründen eben so gehört, wird mein Herz Opfer eines elenden Staatsinteresses!
Meine Liebe zu Gräfin Orsina ist Vergangenheit. Jetzt gehört meine Leidenschaft der wunderschönen Emilia. Zu ihrem Vater, Odoardo Galotti, habe ich allerdings keine gute Beziehung, weil er in meinen Augen falsche Ansichten hat – ein Bürger als Offizier, das konnte nicht gut gehen: humorlos, sittenstreng, und auch noch widersetzlich! Aber Odoardo denkt doch wohl nicht wirklich, dass ich die Hochzeit seiner Tochter mit dem Grafen Appiani nicht verhindern könnte! Diese Aufgabe übertrage ich natürlich meinem treuen Kammerherrn Marchese Marinelli. Ich lasse ihm freie Hand bei der Ausführung dieser Aufgabe.
Zu meinen täglichen Aufgaben zählt es, Bittschriften zu beantworten, Todesurteile zu fällen und für das Wohl des Volkes zu sorgen. Lästige Aufgaben, die ich möglichst schnell hinter mich bringen möchte. Ich mache mir nicht unnötig viele Gedanken darüber.
Nach außen bin ich ganz ein Mann von höfischem Lebensstil, der sich die Frau nimmt, die er will. Wenn ich es mir genau überlege bin ich aber andererseits auch ein sehr verletzlicher Mensch. Manchmal sogar unsicher und etwas zwiegespalten. Ich muss zugeben, ich liebe die Gräfin Orsina nicht mehr, sie will immer so philosophische Gespräche führen. Bedauerlicherweise sind ihre Gefühle für mich aber immer noch wahr und vorhanden.
Ich bin jung und impulsiv, mag sein auch etwas naiv. Einige schätzen mich als verwöhnt ein, aber ich bin der Prinz! – Und ich bin es nun mal nicht anders gewöhnt. Von klein auf wurde ich so behandelt. Warum sollte ich dies ändern???
Ich entscheide aus dem Bauch heraus. Leider ist das nicht immer ganz rational und wird deshalb von manchen gerne ausgenutzt. Wenn ich eine Sache haben will, tue ich alles, um sie zu bekommen. Dabei verliere ich leider schnell den Kopf – aber sind die Leidenschaften es nicht wert, ausgelebt zu werden?
Erst einmal wünsche ich mir glückliche Tage mit Emilia. Und ihr Bräutigam Appiani? Ach, das ist Marinellis Sache, was kümmert’s mich?
(Text: Svenja Maronna)
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