Aus einem Nachlass …

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Email, in der sich eine Frau aus Kleefeld an mich wandte und anfragte, ob ich denn für das Archiv der St. Ursula zuständig sei. Falls dem so wäre, hätte sie nämlich etwas gefunden.

Es stellte sich heraus, dass die Frau beim Aussortieren des Nachlasses ihrer Mutter (Jahrgang 1914) auf dem Dachboden Fotos ihrer Mutter als Schülerin gefunden hatte.

Wie sich zeigte, waren die Fotos, von denen hier eines zu sehen ist, offizielle Schulfotos aus dem Jahr 1924 und ihre Mutter damals knapp 10 Jahre alt.

Sie schickte mir das obige Foto (und ein weiteres) per Post, daneben einen netten Brief, dass ich die Bilder gerne behalten dürfte.

 

Das Foto wurde 1924 vor der Clemenskriche aufgenommen und ist mit Sicherheit die Arbeit eines Schulfotographen gewesen, da seine Adresse auf der Rückseite die Bilder vermerkt ist. 

Zu beachten wäre noch die zeitgemäße Matrosen-Schuluniform der Mädchen, die damals von den Eltern gekauft werden musste.

Damals war die St. Ursula (noch teilweise als Internat) unmittelbar neben der Kirche – 1924 nicht unbedingt eine gute Gegend: Die noch bis 1945 existierende Leineinsel und die sich anschließende Calenberger Neustadt waren die „Problemviertel“ Hannovers.

1924 war die Schule als ein „Lyzeum“ noch anders aufgebaut als heutzutage – wie man an den Schülerinnen sehen konnte, gab es auch noch „Elementarschul“-Klassen, man begann also nicht wie heute mit der 5. Klasse, sondern es gab noch „Grundschulkinder“ an der Ursula. Dank des „Reichsgrundschulgesetztes“ von 1920 war dies jedoch nur noch eine Übergangslösung und die jungen Mädchen mussten bald darauf in „richtige“ Grundschulen gehen.

Immerhin 330 Schülerinnen und 17 Lehrer gab es damals (Stand 1925) an unserer Schule.

Auch war ein Abitur für die Mädchen noch nicht möglich, das sollte er Ende der 1920er erlaubt werden.

 

Übrigens: Die Schülerin, der wir dieses Foto verdanken, steht rechts vorne mit der damals üblichen „Schneckenfrisur“ und hörte auf den Namen Lieselotte.