Ein Zwischenzeugnis aus dem Jahr 1917

 

Das Thema der "Zeugnisse" ist so alt wie unser Schulsystem selbst - Notenübersichten gab es in regelmäßigen Abständen immer, damit die Eltern zuhause auch wussten, wie sich Ihr Kind so in der Schule schlug. Da bildete die St. Ursula-Schule als katholische, private Mädchenschule (Lyzeum) keine Ausnahme.

Jedoch kam es immer wieder zu Veränderungen im Aufbau eines Schuljahres. So gab es Zeiten, wo das Jahr bereits mit dem Abitur an Ostern endete und somit die Zwischenzeugnisse früher ausgestellt wurden - nämlich vor den Weihnachtsferien.

Dieses Zeugnis hier stammt aus dem Jahr 1917 und wurde am 22. Dezember der Schülerin Busse ausgehändigt. Sicherlich kein einfaches Schuljahr, da der Erste Weltkrieg tobte und auch in Hannover (neben den direkten Kriegsgeschehen) unter Nahrungsmittelknappheit und dem Fehlen von Heizungsbrennstoff gelitten wurde.

Nur zum besseren Verständnis: Die Schülerin besuchte nicht die VII (7.) Klasse, sondern Klasse 5 - damals wurden die Klassenstufen lateinisch rückwärts gezählt.

Das Zeugnis unterscheidet dabei (wie heute auch) zwischen Kopfnoten (AV/SV) und den Fachnoten, wobei der Punkt "Anstand" natürlich für heutige Ohren etwas antiquiert klingen mag. Bemerkenswert an den Fächern ist das Fremdsprachenangebot mit Französisch als erster Fremdspache und Englisch als zweiter - Latein fehlt völlig, da Latein eine Zugangsvorraussetzung für die Universität war (neben dem Abitur) und das Schulministerium wollte auf diesem Wege einen akademischen Weg der Mädchen verhindern oder zumindest erschweren...

Die Bewertung des Notenbildes der Schülerin ist dabei dem Leser selbst überlassen: Die Abkürzung ggd. steht dabei für "genügend" und mgf. für "mangelhaft" - auch die Bemerkung der Klassenlehrerin Fr. Sondenderg spricht Bände:

"Apollonia muss sehr fleißig sein, wenn sie das Klassenziel erreichen will."

Auch Notenprobleme scheinen sich somit immer wieder zu wiederholen...

 

Oliver Miller